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Ausfallen der Haare

In semiotischer Hinsicht will man beobachtet haben, dass bei Verdauungsschwäche die Haare trocken, bei Gicht rauh und empfindlich, bei hartnäckiger Andauer von Nervenkrankheiten, insbesondere von Hysteria, braun werden. Gewisser ist, dass bei Mangel des allgemeinen Körper-Turgors der Glanz der Haare verloren geht, so im Nervenfieber, bei Wassersucht und andern chronischen Krankheiten. Der Verlust der Haare, das Ausfallen derselben, ist einer verschiedenen semiotischen Bedeutung teilhaft geworden, je nachdem das Ausfallen ein allgemeines oder partielles ist. Der totale Haarverlust deutet demnach auf eine allgemeine Atrophie aller Haarkeime, welche eine Folge ist vorhergegangener oder noch vorhandener allgemeiner Störungen der Körper-Ernährung, und kann daher, wie diese, bald andauernd, bald vorübergehend sein. Vorübergehend ist dieses Ausfallen in der Rekonvaleszenz nach heftigen, besondors exanthematischen und Nervenfiebern, andaurend dagegen ist der Haarverlust in der Schwindsucht. Fällt übrigens das Haar schon während der Dauer heftiger fieberhaften Krankheiten aus, so hat man den Tod unabwendbar eintreten sehen.

Der partielle Haarverlust beruht auf partieller Atrophie der Haarkeime, und entsteht insbesondere in Folge des nervösen Kopfwehs, aber auch durch allgemeine Lues und andere krankhafte Zustände. In Bezug auf die Lokalität wird da noch die besondere Differenz bemerkt, dass das Ausfallen der Haare am vordern Teil des Kopfes begründet wird durch angeerbte Eigentümlichkeit, anhaltenden örtlichen Druck, das Ausfallen der Haare am Scheitel dagegen vorzugsweise auf allgemeiner Lues beruht, während die Haare des Hinterkopfes in der Regel in Folge einer besondern Form der Kopflechten (Porrigo decalvans) ausfallen. Teilweises; aber an bestimmte Lokalität nicht gebundenes Ausfallen der Haare beobachtet man endlich bei andern Formen der Kopfllechten (Porrigo furfurans und lupinosa), ferner beim Aussatz und bei zu reichlichem Merkurialgebrauch; und in länglichen, streifenähnlichnen Stellen sieht man die Haare heufig ausfallen bei gestörter Menstruation, bei Gicht und bei Kopf-Rheumatismus.

Bei gastrichen und rheumatischen Affektionen macht man überdies häufig die Beobachtung, dass bei Berührung der Haare die Kopfschmerzen sich vermehren.

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